Alekos Hofstetter


Bilderstrom des Kaputten

„ Aus den Nervenbahnen der "medialen Verbreiung": Alekos Hofstetter erforscht das Verhältnis von schrumpfenden Informationen und wachsender Zerstörung in Bildern (...) Mit Zerstörung und dem Ruinösen beschäftigt sich Alekos Hofstetter seit Jahren obsessiv: Die Bilderserie "Urban Decline", die sich in der jetzt erschienenen Monografie "Cash & Copy" findet, zeigt Hochhäuser, Kaufhäuser, Einfamilienhäuser und Brücken - stürzend, abgewrackt, in Trümmern. In giftigen Gouache-Farben und scharfen Konturen aufs Papier gebracht, stellt sie zerfetzte Stahlträger, grotesk verdrehte Fensterrahmen, Kabelsalate und Holzlattenhaufen zu einem repetitiven Bilderstrom zusammen. Auf den zweiten Blick erinnert man sich vielleicht: an die zerstörte US-Botschaft von Daressalam nach dem Al-Qaida-Anschlag 1998, an Kobe nach dem Erdbeben, sächsische Dörfer nach dem Elbe-Hochwasser 2002. Als Vorlage für seine Verfallsstills benutzt Alekos Hofstetter Zeitungs- und TV-Nachrichtenbilder.

Aber es geht dem 1967 in Bonn geborenen und jetzt in Berlin arbeitenden Künstler kaum um konkrete Wiedererkennbarkeit oder Kommentierung à la "Der Globalkapitalismus triggert Terror, Katastrophen und die Schrumpfung der Städte". Vielmehr beschäftigt er sich mit der "medialen Verbreiung" und Fragen wie: Lässt sich der fehlende Kontext eines medialen Bildes in einer künstlerischen Kopie deutlich machen? Kann man den mangelnden Informationsgehalt des Bildes so weit in den Ästhetizismus steigern, dass das Monströse als einziger Inhalt von Nachrichtenbildern deutlich wird? Im Bilderzyklus "Cash Flow" stellt Hofstetter dann auch die ikonografischen Eckpfeiler der globalen Kapitalströme zusammen: Zwischen Pop-Art und Manga reihen sich Porträts von Weltbank-, EZB- und US-Präsidenten an Adaptionen von Andreas Gurskys Börsenfotos. (...)“ KIRSTEN RIESSELMANN, taz Berlin lokal vom 24.5.2006, S. 27, 114 Z. (Kommentar)


Die Gemälde und Zeichnungen

des Berliner Malers Alekos Hofstetter zeigen uns die Wirkungsweise einer „Produktionsmaschinerie des Realen“, welche immerfort und immer schneller neue Wirklichkeiten schafft und sie auch nach immer kürzerer Zeit wieder veralten lässt. Hofstetters Werk zeitgenössischer Malerei nutzt auch vorgefundenes Medienmaterial. Der Künstler unterzieht seine Bildvorlagen einer aufwendigen Demontage zugunsten einer einzigen vereinheitlichten, synthetischen und universalen Realität. Er arbeitet mit Versatzstücken aus der Welt der Comics, der Philosophie, der Architektur oder der internationalen Finanzmärkte.

Lith Bahlmann